Französischer Betreiber Europorte setzt gesamten ECM Workflow in Railfleet um.

Story by Kaat Van de Vijver, Digital Marketing Manager at Railnova
Oct 24, 2018

Es ist bekannt, dass präventive Wartung das Risiko für Ausfälle minimiert. Jedoch ist längst nicht jede Form der präventiven Wartung vorteilhaft für Sie und Ihre Schienenfahrzeuge. Zum Beispiel: Obwohl es sehr verlockend sein mag, den einfachen Weg zu wählen und nur zeitbasiert Wartungen durchzuführen, laufen Sie Gefahr, dass Ihre Fahrzeuge entweder zu oft oder zu selten gewartet werden. Vor diesem Hintergrund ist eine präventive Wartung basierend auf der tatsächlichen Nutzung (trotz der etwas umfangreicheren Planung) eine deutlich interessantere Option, um präzisere Wartungsintervalle zu gewährleisten und gleichzeitig die Lebensdauer der Bauteile entsprechend zu verlängern.

Genau das hat Europorte, französischer Betreiber im Güterverkehr und Tochtergesellschaft des Eurotunnel Konzerns, für ihre E4000-Flotte umgesetzt. Obwohl das Unternehmen bereits einen auf der tatsächlichen Laufleistung (km) basierten Wartungsplan eingeführt hatte, sollte dieser zusätzlich optimiert und die Wartungszyklen für umfassende Arbeiten an den Motoren verlängert werden. Anfang des Jahres 2017 wechselte Europorte daher von einem Wartungsplan, der nur die gefahrenen Kilometer berücksichtigte, zu einem Plan, der Megawattstunden, gefahrene Kilometer und kalenderbasierte Aktivitäten kombinierte.

Wir haben uns mit Sylvain Cozette getroffen, dem E4000-Flottenmanager von Europorte, um zu erfahren, wie die Änderungen im Wartungsplan umgesetzt wurden und was genau die Auswirkungen dieser Änderungen waren. Der vorherige Wartungsplan hat bis zu einem bestimmten Punkt hervorragend funktioniert, doch er hatte auch einige Schwachstellen, betont Sylvain Cozette:

“Wir haben nicht alle Änderungen gleichzeitig umgesetzt, doch die wesentlichen Probleme beim alten Plan waren die folgenden: Ungefähr die Hälfte unserer E4000-Lokomotiven sind in Deutschland im Einsatz und dort gibt es die HU (Hauptuntersuchung), die alle acht Jahre durchgeführt werden muss. Der ursprüngliche Wartungsplan sah diese Maßnahme jedoch nicht vor.

Zusätzlich dazu gab es auch viele separate, umfangreichere Wartungsarbeiten, bei denen die Fahrzeuge quasi komplett demontiert und anschließend wieder montiert werden müssen, was sehr kostenintensiv ist.

Ein drittes Problem bestand darin, dass die Lokomotiven laut dem ursprünglichen Wartungsplan alle 12.500 km gewartet werden sollten, wonach gemäß den Annahmen des Herstellers jeden Monat oder alle 1,5 Monate eine Wartung stattfinden sollte. Dies entsprach jedoch nicht der Realität, sodass wir die Lokomotiven nur alle 2 oder 2,5 Monate warteten.

Zu guter Letzt wurden die Lokomotiven nach 400.000 km in die Werkstatt gebracht, um eine umfassende Wartung an den Motoren durchzuführen. Wir haben jedoch festgestellt, dass der Kilometerstand nicht im direkten Zusammenhang mit den Betriebsstunden der Fahrzeuge stand. Die zurückgelegten Kilometer schienen also nicht der richtige Parameter zu sein, um die Lebensdauer der Motoren zu verlängern und die Wartung zum bestmöglichen Zeitpunkt durchzuführen.”

Der Wechsel von Kilometern zu Megawattstunden

Auch wenn die Wartung basierend auf den gefahrenen Kilometern ein guter erster Schritt ist, um die Wartungsintervalle zu verlängern, besteht immer noch das Risiko, die Wartung zu früh durchzuführen, was dann langfristig dazu führt, dass die Fahrzeuge zu häufig gewartet werden. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Europorte von einem Plan, bei dem die Wartung der Motoren auf den gefahrenen Kilometer basierte, zu einem Plan wechselte, der sich an den erzeugten Megawattstunden orientiert:

“Da unser vorheriger Plan, der auf den gefahrenen Kilometern basierte, die tatsächliche Nutzung und den Verschleiß der Motoren nicht berücksichtigte, war es an der Zeit, die Wartungsparameter zu ändern und von nun an die vom Motor erzeugte Leistung zu betrachten, anstatt der gefahrenen Kilometer. Daher führen wir die große Motorwartung nun nach 5.000 MWh durch und nicht nach 400.000 km. Auf diese Weise wird die tatsächliche Nutzung der Lokomotive präziser berücksichtigt und die Wartungsaktivitäten werden reduziert.”

Neben dem neuen Wartungsplan für die Motoren hat Europorte auch andere Probleme gelöst, mit denen das Unternehmen zu kämpfen hatte. Beispielsweise wurde der De- und Remontageaufwand minimiert, indem mehrere umfangreiche Wartungsarbeiten nun zum selben Zeitpunkt durchgeführt werden. Der neue Wartungsplan ist jetzt viel präziser auf die Bedürfnisse von Europorte abgestimmt:

“Seitdem wir den neuen Plan eingeführt haben, kombinieren wir zeitbasierte, kleinere Wartungsstufen (damit wir unsere Fahrzeuge regelmäßiger untersuchen können) mit kilometerbasierten, größeren Wartungen, und Arbeiten an den Motoren, die sich nach den erzeugten Megawattstunden richten.”

Wie oben bereits erwähnt, bestand das Risiko für Europorte darin, mit dem alten Wartungsplan Wartungsarbeiten zu früh durchzuführen. Der neue Plan ermöglicht eine präzisere Wartungsplanung und reduziert somit die Stillstandszeiten der Fahrzeuge:

“Einer der Vorteile des neuen Plans besteht darin, dass wir die umfangreichen Wartungsarbeiten an den Motoren zu einem späteren Zeitpunkt durchführen können, da wir dazu in der Lage sind, die nutzungsbasierte Wartung noch genauer anzupassen. Zum jetzigen Zeitpunkt führen wir die Wartung nach 5.000 MWh durch, die wir mit dem vorherigen Plan, basierend auf den gefahrenen Kilometern, gar nicht erreichten. Die betroffenen Wartungsarbeiten an den Motoren sind sehr arbeits- und zeitaufwendig und der neue Plan ermöglicht es uns, diese Wartungsarbeiten 6 bis 12 Monate später durchzuführen als bisher.”

Das bedeutet, dass Europorte dank des neuen Wartungsplans dazu in der Lage war, die Wartungsintervalle für die Motoren um 16 % zu verlängern.

Durch die Verschiebung dieser umfangreichen und kostenintensiven Wartungsarbeiten verlängert Europorte auch die Lebensdauer der Komponenten, was schlussendlich sowohl zu einer Zeit-, als auch zu einer Kosteneinsparung führt.

Darüber hinaus spart Europorte Zeit ein, da die Fälligkeitstermine für Wartungen automatisch errechnet werden in Railfleet, der Software, die Europorte für das Flottenmanagement und die Wartungsplanung nutzt. Der Übergang vom alten zum neuen Wartungsplan erforderte lediglich die Änderung der Parameter in Railfleet. Das System übernahm dann alles Weitere, indem es die Fälligkeitstermine für alle zukünftigen Wartungen berechnete und aktualisierte:

“Der Übergang war eigentlich recht einfach. Da wir die Einstellungen selbst in Railfleet vornehmen können, mussten wir einfach nur alle neuen Parameter, die vorher ja eigentlich gar nicht existierten, sowie den Zeitintervall für die kleinen Wartungsarbeiten eingeben. Das System wendete dann den neuen Wartungsplan einfach für alle zukünftigen Wartungen der Flotte an.”

Der neue Wartungsplan kommt zum Einsatz

Einen neuen Wartungsplan einzusetzen und dafür alle notwendigen Akteure an Bord zu holen, klingt erst einmal nach viel Arbeit, doch dank der engen Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, konnte Europorte Anfang 2017 den neuen Wartungsplan reibungslos einführen.

“Da wir einige der betroffenen Lokomotiven gemietet haben, waren die Änderungen Teil eines Projekts, an dem diverse Akteure beteiligt waren: Wir arbeiteten mit dem Hersteller der Lokomotiven zusammen, da er mit dem ursprünglichen Wartungsplan vertraut war und über entsprechende Erfahrung diesbezüglich verfügten. Außerdem arbeiteten wir mit dem Instandhalter zusammen, da er den neuen Wartungsplan ausführen würde und ihn somit abnehmen musste. Ein weiterer wichtiger Beteiligter war der Vermieter: Auch mit ihm mussten wir uns in Bezug auf die Wartungen schließlich einig werden. Zu guter Letzt waren natürlich auch Vertreter von Europorte involviert, da wir schließlich bezüglich dieser Fahrzeuge beides sind: Betreiber und ECM. Wir waren für das Projekt verantwortlich, doch tatsächlich bestand die Idee darin, mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten, um diesen neuen Plan einzuführen. Als dann der Zeitpunkt der Einführung gekommen war, wusste jeder was passiert, da wir ja alle eng mit einbezogen hatten.”

Um sicherzustellen, dass sich alle einig waren, und um zu gewährleisten, dass alles korrekt und sicher vonstattengehen würde, erstellte Europorte zusätzlich ein Sicherheitsdossier:

“Wir sind ECM der Lokomotiven und somit für die Wartung organisatorisch verantwortlich. Das heißt natürlich nicht, dass wir machen können, was immer wir wollen. Um also sicherzugehen, dass alles korrekt abläuft, haben wir ein entsprechendes Dossier erstellt. Dieses Dokument umfasste sämtliche Änderungen, die am Wartungsplan vorgenommen werden sollten, und zeigte den Eisenbahnbehörden, dass diese Änderungen keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Fahrzeuge haben würden. Die Wartungsdokumentation wurde aktualisiert und an die Instandhalter weitergeleitet, damit diese sie anwenden konnten.”

Und wie ging es weiter?

Der neue Wartungsplan kommt bereits seit über einem Jahr zum Einsatz, was jedoch nicht heißt, dass Europorte sich nun auf dem Erfolg ausruht.

“Da die Umstellungsarbeiten im letzten Jahr ein sehr großes Projekt für uns waren, werden wir in naher Zukunft erst einmal keine Änderungen dieser Größenordnung vornehmen. Ein Wartungsplan entwickelt sich mit der Zeit jedoch stets weiter, weswegen wir auch kleine Änderungen vornehmen, um auftretende Probleme zu lösen. Außerdem sind wir stets dazu bereit, neue Möglichkeiten zu evaluieren, um unsere aktuellen Prozesse zu optimieren.

Für die umfangreichen Wartungsarbeiten an den Motoren erhalten wir momentan die Zählerständer durch unseren Instandhalter, der die erzeugten Megawattstunden während der Wartungen ausliest. Diese stehen uns somit spätestens alle sechs Wochen zur Verfügung, wenn der kleine Wartungsintervall durchgeführt wird. Sobald wir sie erhalten, können wir die Zählerstände selbst im System eintragen, woraufhin das Fristendatum für 5.000 MWh automatisch errechnet wird. Ein nächster Schritt, den wir momentan anvisieren, ist das automatische Erfassen dieser Megawattstunden-Zähler anstelle der manuellen Erfassung, damit die Zähler direkt in Railfleet eingelesen werden können, um die Berechnungen schneller und präziser durchzuführen.”

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